"Dein Glaube hat dich gerettet." (Lk 17,19)

Im Einfachen liegt das Wunder:
Der Atem, der Weg, das Jetzt – alles folgt einem göttlichen Plan.
An den Weggabelungen: Vom betörenden Duft der Meeresbrise bis zum Herzen Galiziens erwarten uns 16 Kilometer voller Begegnungen und der Übergang zum zentralen Pfad. Nach der gestrigen herausfordernden Etappe fühlte sich der heutige Weg von Vigo nach Redondela fast wie ein sanfter Spaziergang an, obwohl es ein ziemlich regnerischer Tag war. Es war ein Tag der „Geschenke“: Die Landschaft belohnte uns mehrfach mit atemberaubenden Blicken auf die Meeresbucht Ría de Vigo, während die dynamische Interaktion unter den Pilgern heute besonders intensiv spürbar war.
Schweigen und Sprechen: Der Geist des Weges.
Auf dem Camino findet jeder sein eigenes Tempo – sowohl körperlich als auch geistig. Während einige Pilger heute in sich gekehrt waren und in Gebet oder Gedanken vertieft blieben, öffneten sich andere für den Austausch. Andi fand in Jara aus Hamburg eine großartige Gesprächspartnerin, während ich die Stille nutzte, um die Umgebung in mich aufzunehmen. Diese christliche Nächstenliebe und Offenheit prägen den Jakobsweg seit Jahrhunderten: Man ist niemals allein, es sei denn, man wünscht es so.
Historischer Knotenpunkt: Redondela.
Bei unserer Ankunft in Redondela spüren wir sofort die historische Bedeutung der Stadt. Sie ist bekannt für ihre zwei beeindruckenden Eisenbahnviadukte aus dem 19. Jahrhundert, die das Stadtbild prägen. Doch für uns Pilger zählt heute ein anderer Zusammenfluss: Hier in Redondela treffen der Caminho Português da Costa und der Caminho Central aufeinander. Ab hier folgen wir den Spuren von Millionen, die vor uns aufgebrochen sind. Ein bedeutendes christliches Zeugnis in der Stadt ist die Kirche Santiago de Redondela, die ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammt und uns mit ihrer Jakobus-Statue daran erinnert, dass das Ziel Santiago de Compostela nun stets greifbarer wird.
Abschied vom Meer.
Mit dem Betreten des Zentralwegs verlassen wir die Küste. Der salzige Wind wird abgelöst vom betörenden Duft der Pinien und Weinreben. Wir tauschen das endlose Blau gegen die tiefen Grüntöne des galizischen Binnenlandes. Es fühlt sich an wie ein neuer Aufbruch.
¡Buen Camino!






