"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." (Joh 14,6)

Am Ziel: Ein Weg für David


25,2 Kilometer bis in die Ewigkeit – Santiago de Compostela

Heute sind wir angekommen. Nach 280 Kilometer, nach Staub, Regen und Sonnenschein, treten sie endlich hervor: Die ehrwürdigen Türme der Kathedrale von Santiago. Stein auf Stein, alt und schwer, erfüllt vom Atem unzähliger Gebete. Doch für uns ist dieser Ort heute mehr als ein Ziel auf einer Landkarte. Er ist der Ort, an dem wir David ein Versprechen einlösen.


Mathematik des Herzens

David, du hast die Welt mit einem wachen Geist erforscht. Du hast in der Unendlichkeit nach Ordnung gesucht und in der Klarheit der Mathematik deine eigene Sprache gefunden. Vielleicht war dein Blick tiefer, weiter und empfindsamer, als diese Welt es manchmal ertragen konnte. Auf diesem Weg haben wir oft an deine Suche nach Wahrheit gedacht. Jede Zahl, jede logische Folge, jede Schönheit der Natur, die wir am Wegesrand sahen; wir haben sie für dich gesehen.


Nicht verloren, nur vorausgegangen

Der Glaube sagt uns: Nichts von dem, was du suchtest, war vergeblich. Jede Spur von Klarheit ist aufgehoben in einem größeren Ganzen. Wir tragen dich Schritt für Schritt in unseren Herzen. Du bist uns nicht verloren gegangen; du bist uns vorausgegangen in das Geheimnis, das größer ist als wir selbst – in jenes Licht, das wir im Nebel zwar nicht immer sehen, das uns aber dennoch sieht.


Einzug in die Kathedrale

Als wir heute über die Plaza del Obradoiro gingen und die Kathedrale vor uns aufragte, warst du bei uns. Jeder Schmerz in unseren Gliedern war ein Gebet für dich. Wir haben dich über Staub und Stein getragen, bis ans Ende dieses Weges. In der Stille der Kathedrale, im Duft des Weihrauchs und im Klang der Glocken finden wir nun einen Moment des Friedens.

David, du lebst in uns weiter. In jeder mathematischen Schönheit, in jeder tiefen Wahrheit und in jedem Schritt, den wir von nun an gehen werden.


Ein Licht, das niemals erlischt

In der Stille der Kathedrale haben wir für David eine Kerze entzündet. Ihr warmes, stetes Leuchten steht für seinen wachen Geist und die Klarheit, die er in der Welt gesucht hat.

Wir haben ihn hergetragen – über 280 Kilometer, durch Portugal und Spanien, durch Täler und über Hügel. Jetzt wissen wir: Sein Platz ist nicht nur in unseren Erinnerungen, sondern in jenem großen Ganzen, in dem jede Seele und jede Wahrheit geborgen ist.

Der Weg endet hier in Santiago, aber die Verbindung bleibt. Wir verlassen diesen Ort mit müden Füßen, aber mit einer tiefen Ruhe im Herzen.


Für David. Für immer bei uns.